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Neue Wege in der Kulturförderung in Lübeck

Kultur ist ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor

Geringes Engagement der Stadtspitze beklagt

Lübeck ist reich an Kulturschätzen. Dies möchte ich bewahren und weiter entwickeln. Ich möchte Kunst und Kultur noch intensiver erlebbar machen. Dazu müssen die herausragenden und auch die weniger bekannten Schätze und Talente in unserer Stadt den Lübeckerinnen und Lübeckern, aber auch unseren Besuchern, präsenter gemacht werden. Kunst und Kultur müssen noch stärker an junge Menschen heran getragen werden. Ich möchte Kultur in Lübeck als Wirtschaftsfaktor weiter entwickeln und dadurch weitergehende Investitionen in Kulturprojekte ermöglichen.

Investitionen in konkrete Projekte

Zum Stadtjubiläum im nächsten Jahr sind vom Kulturressort Feierlichkeiten geplant worden, für die 1,4 Millionen € ausgegeben werden sollen. Diese Summe ist aus meiner Sicht lediglich für Feierlichkeiten viel zu hoch. Ich möchte die 875 Jahr-Feier unserer Stadt würdig feiern. Aber ein Ganzjahresevent mit Ausgaben in dieser Größenordnung kann sich Lübeck angesichts der finanziellen Einschnitte an anderen Stellen nicht leisten. Eine Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 erachte ich als wenig aussichtsreich. Stattdessen möchte ich die Finanzmittel, die zum Feiern bzw. für eine Bewerbung aufgewendet werden sollen, in viele konkrete Kulturprojekte investieren.

Finanzielle Anforderungen der herausragenden Kulturangebote langfristig sichern

Das Lübecker Theater hat eine landesweite Bedeutung und leistet eine hervorragende Arbeit. Die Lübecker Kunstschätze und Museen ziehen Gäste aus aller Welt an. Diese herausragenden Kulturangebote sind für unsere Stadt wichtig, ich schätze sie und möchte sie sichern und fortentwickeln. Dazu ist es notwendig, die finanzielle Ausstattung auf Dauer verlässlich zu verankern und die Verantwortung dafür, stärker in das Bewusstsein der Verantwortlichen zu rücken. Dabei möchte ich neue Wege gehen. Das Land muss die Bedeutung dieser kulturellen Infrastruktur anerkennen und den Landesanteil an der Finanzierung aufstocken. Für die Erweiterung des Buddenbrookhauses können aus meiner Sicht zusätzliche Mittel eingeworben werden. Dazu möchte ich Stiftern und Sponsoren den besonderen Wert ihres Engagements in die Kultur unserer Stadt näher bringen.

Freie Kulturangebote wertschätzen und unterstützen

Neben den kulturellen Schwergewichten gibt es eine große Fülle an Projekten freier Kunst- und Kulturschaffendender. Sie leisten wertvolle Arbeit und bereichern die kulturellen Angebote in unserer Stadt erheblich. Allerdings erfahren sie nur geringe Unterstützung und Förderung ihrer wichtigen Arbeit. Dies möchte ich ändern, indem ich die Arbeit des Kulturbüros umfassender aufstellen möchte. Wir brauchen persönliche Unterstützung und bessere Vernetzung, wir brauchen zusätzliche Gelegenheiten der Zusammenarbeit der Akteure. Ich möchte zusätzlichen Raum für Lübecker Kulturschaffende bieten. Dazu möchte ich verstärkt die leerstehenden und wenig genutzten Räumlichkeiten städtischer Liegenschaften nutzen. 

Den Haushaltsansatz zur Förderung freier Kulturprojekte  möchte ich deutlich erhöhen und dadurch auch eine finanzielle Grundlage für Kunst und Kultur in Lübeck ermöglichen. Dies kann helfen, freien Kulturschaffenden eine Existenzsicherung zu bieten. Die Jahresschau der Gemeinschaft Lübecker Künstler benötigt verlässlich verfügbare Ausstellungsräume. Die Projektentwicklung der Kulturtankstelle muss von der Stadt begleitet werden. Die vielen freien Kunst- und Kulturschaffenden brauchen Unterstützung. Das finanzielle Engagement der Stadt kann durch die erhöhte Wertschöpfung und durch veränderte Finanzierungswege kompensiert werden.

Die Kulturbühne in Travemünde ist ein wichtiges, freies Kulturangebot in Travemünde. Zum Jahresende hat der Hamburger Besitzer des Hafenbahnhofs den Spielort der Kulturbühne gekündigt. Als neue Spielstätte möchte die Kulturbühne eine ca. 1000 m² große Freifläche pachten, um ein Spiegelzelt aufzustellen. Trotz vieler Versprechen ist seit Monaten nichts passiert. Ich setzte mich dafür ein, auf dem Leuchtenfeld eine kleine Teilfläche abzutrennen und an die Kulturbühne zu verpachten. Kulturförderung bedeutet für mich, sich um konkrete Problemlösungen zu kümmern.

Katharinenkirche auf Dauer öffnen

Die Katharinenkirche ist ein herausragendes Kulturdenkmal, das in den letzten Jahren mit großem Aufwand saniert worden. Das Erleben dieses mittelalterlichen Bauwerks zu verschließen stellt einen großen Verlust in unserer Kulturstadt dar. Nur dem ehrenamtlichen Engagement von 50 freiwilligen Helfern ist es zu verdanken, dass die Kirche in den vergangenen Monaten für 12 Stunden in der Woche geöffnet werden konnte. Dieses Engagement schätze ich sehr. Das Versäumnis der Kultursenatorin, ein Konzept zur Präsentation und Öffnung der Katharinenkirche zu entwickeln und umzusetzen muss zügig behoben werden.

Völkerkundesammlung öffnen

Die Völkerkundesammlung ist ein wichtiger Teil der Lübecker Geschichte und zeugt von der Weltzugewandtheit der Lübeckerinnen und Lübecker. Mit der Schenkung der Sammlung an die Stadt ist für mich die Verpflichtung verbunden, diesen wertvollen Schatz zu bewahren und ihn den Menschen zugänglich zu machen. Deshalb möchte ich der Völkerkundesammlung wieder entsprechende feste Ausstellungsräumlichkeiten zur Verfügung stellen. Daneben benötigen wir eine innovative konzeptionelle Aufarbeitung, um mit der Völkerkundesammlung stärker pädagogische Ansätze zu verfolgen.

Welterbezentrum einrichten

Große Teile der Lübecker Altstadt sind seit 30 Jahren Unesco Welterbestätte. Dieser einzigartige Status in Schleswig-Holstein wird nicht ausreichend gewürdigt. Das Wissen über unser kulturelles Erbe möchte ich stärker in die Stadtgesellschaft hinein tragen. Dazu benötigen wir ein Welterbe-Zentrum. Hier sollen nicht nur Informationen abrufbar sein. Es kann hier ein Bildungszentrum mit pädagogischen Ansätzen entstehen, das die Identität der Stadt fördert. Hier können Vermarktungsstrategien mit Akteuren der Wirtschaft verbunden werden. Hier kann sich unsere Stadt präsentieren. Die Aufwendungen dafür können durch die positiven Effekte und durch Fördergeber kompensiert werden.

Solide Arbeitsgrundlagen der Denkmalschutzbehörde schaffen

Die Denkmalschutzbehörde in Lübeck ist nicht optimal aufgestellt. In der Amtszeit der derzeitigen Kultursenatorin sind der freie Etat der Denkmalpflege und Personalstellen gekürzt worden. Das ist das falsche Signal für unsere Kulturstadt und eine Schwächung der Leistungsfähigkeit der Lübecker Denkmalpflege. Diese falsche Prioritätensetzung will ich unverzüglich korrigieren.

Häufig werden Denkmale erst bei konkreten Vorhabenplanungen bewertet und in laufenden Planungsvorhaben unter Schutz gestellt, wie bei der Schule in Groß Steinrade oder beim Schlachthofareal. Hinzu kommen nicht nachvollziehbare Entscheidungen der Denkmalschutzbehörde. Die Hafenschuppen auf der nördlichen Wallhalbinsel stehen immer noch nicht unter Denkmalschutz, obwohl der Denkmalrat eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hat. Die spätklassizistische Villa am Lindenplatz ist ein frühes Zeugnis der Vorstadtbesiedelung nach dem Entfall der Torsperre und soll einem Ärztehaus und Hotelkomplex weichen. Diese nicht nachvollziehbaren Entscheidungen legen den Schluss nahe, dass bei Eigeninteressen der Stadt andere Maßstäbe gelten, als bei privaten Bauvorhaben. Hier möchte ich als Bürgermeister nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen transparent machen.

über Detlev Stolzenberg

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