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Integration in Lübeck verbessern

Geflüchteten helfen

Neue Wege zur Integration in Lübeck

Die Bewältigung der Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre wurde von Stadtverwaltung und ehrenamtlich Tätigen gut bewältig. In der jetzigen Situation steht die Integration der Geflüchteten im Mittelpunkt der weiteren Anstrengungen. Hier sehe ich weitere Handlungsbedarfe und Lösungsansätze, die ich als Bürgermeister partnerschaftlich mit allen beteiligten Akteuren angehen will. Afganistan ist kein sicheres Herkunftsland. Deshalb fordere ich einen Abschiebestopp.

Wohnraumsituation verbessern

500 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften suchen eine eigene Wohnung. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt wird durch weitere Wohnungssuchende aus allen gesellschaftlichen Schichten verschärft. Ich möchte deshalb die Anstrengungen verstärken, zusätzliche und bezahlbare Wohnungen zügig bereit zu stellen. Aus meiner Sicht ist eine Kurskorrektur erforderlich. Wohnungsabrisse in beträchtlicher Anzahl sind für die nächsten Jahre auszusetzen. Potentiellen Vermietern sollten Anreize geboten werden, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wohnprojekte als Wohngemeinschaft oder zur Untermiete können von der Stadt als „Wohnen zur Probe“ beworben und durch Darlehen für die Mietsicherheiten befördert werden.

Bei der Belegung der großen Gemeinschaftsunterkünfte sollten neue Wege gegangen werden. Mein Ansatz ist eine stärkere Durchmischung mit unterschiedlichen Nutzern, z. B. Studenten*innen, Auszubildende oder Menschen ohne Wohnsitz. Damit kann vielen unterschiedlichen Personen in Wohnungsnot geholfen werden und sehr direkte Integration gelebt werden.
Die Dauer der Unterbringung von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften beträgt teilweise über zwei Jahre. Der angewandte Standard mit sechs m² pro Person bietet keine angemessene Unterbringung für längere Aufenthalte. Solange kein ausreichender Wohnraum bereitsteht, müssen die Bedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften verbessert werden. Lange heimähnliche Aufenthalte fördern Lethargie, Aggression und Depression und können Fehlentwicklungen befördern. Hier will ich gemeinsam mit ehrenamtlichen Initiativen gegenwirken.

In den Gemeinschaftsunterkünften müssen Rückzugsmöglichkeiten für die Menschen geschaffen werden. Die Entscheidung, Teppiche und Sofas sowie individuelle Einrichtungsgegenstände pauschal zu verbieten, möchte ich gerne korrigieren. Dabei ist der Brandschutz zu beachten.

Bildungs- und Berufschancen

Geflüchtete mit Studium oder langjähriger Berufsvorgeschichte bleiben nach dem Integrationskurs häufig in der beruflichen Eingliederung stecken. Anerkennungsverfahren dauern zu lange und finden keinen zufriedenstellenden Abschluss. Beratungsstellen sind in Lübeck zu wenig bekannt. Interessenverbände und Kammern müssten aktiver die Betriebe ermutigen und unterstützen. Begleitende Deutschkurse müssen vermehrt angeboten und Alltagstauglichkeit stärker trainiert werden. Dazu möchte ich gezielt weitere ehrenamtliche Akteure gewinnen, z. B. Berufsschullehrer*innen im Rentenalter oder ehemalige Verwaltungsmitarbeiter*innen. Durch gezielte Hilfen will ich fehlende Fähigkeiten im Gebrauch von Computern in deutscher Sprache, fehlende Lese- und Schreibkompetenz schnell kompensieren. Das geförderte Projekt der Volkshochschule „Deutsch für alle“ kann durch Sprachmittler für den Alltagsgebrauch weiterentwickelt werden. Sprachmittler aus verschiedenen Berufsgruppen können ihre Kenntnisse individuell an die Lernenden weitergeben oder während Berufspraktika zur Seite stehen.
Dadurch können Arbeits-Vermittlungen als Fachkräfte intensiviert werden. Die Leistungen der Agentur und des Jobcenters sind bei den Geflüchteten noch zu wenig bekannt. Hilfreich wäre auch ein APP, die Informationen bietet, wo in Lübeck Hilfe für einzelne Leistungen erhalten werden können.

Gesellschaftliche Teilhabe

Integration gelingt am ehesten, wenn Parallelgesellschaften vermieden werden. Hier möchte ich die Einwohner*innen stärker einbeziehen, sich verstärkt auf private Kontakte einzulassen. Dies möchte ich gemeinsam mit Migrantenorganisationen an die Runden Tische und gemeinnützigen Stadtteilvereine in die Stadtteile tragen. Ich sehe hier Potentiale, dass Vereine gezielt Projekte mit Geflüchteten oder Zugereisten anbieten. Die Stadt könnte dazu einen Wettbewerb ausloben und unterstützen.
Dabei ist mir wichtig, Migranten schneller aus der passiven in eine aktive Rolle hin zu bewegen. Dies geschieht durch Behandlung auf Augenhöhe und Begleitung der unterschiedlichen Kulturgruppen. Über allem steht bei Geflüchteten das Bedürfnis, sich so schnell wie möglich zu selbstständig und eigenverantwortlich handelnden Personen zu machen. Dieses Bedürfnis will ich unbedingt unterstützen durch Einbeziehung und Übertragung von Verantwortung. In einem ersten Schritt möchte ich dazu auch Arbeiten rund um die Gemeinschaftsunterkünfte, in die Hände der dort lebenden Menschen legen. Auch Geflüchtete, die keine Bleibeperspektive haben, müssen einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können. Dafür will ich die Grundlagen schaffen.

Wertschätzung und Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit

Ohne persönliche Betreuung der vielen ehrenamtlich Tätigen kann Integration nicht gelingen. Sie übernehmen im Wesentlichen die Aufgaben der Kommune. Hauptamtliche Koordinatoren sammeln, ordnen, analysieren und katalogisieren Geflüchtete, sind für die Unterbringung zuständig und wirken bei Veranstaltungen mit. Aber die tatsächlich anfallende Integrationsarbeit wird von Ehrenamtlichen übernommen.

Dies will ich stärker wertschätzen und unterstützen. Deshalb möchte ich die kostenlose oder sehr kostengünstige Bereitstellung von Räumen und technischen Geräten für Vereine und Initiativen im Rahmen ihrer Integrationsarbeit gewährleisten. Ich möchte langfristig bewährte Projekte fortführen und Planungssicherheit geben.

Informationsbedarf auf vielen Ebenen berücksichtigen

Damit Integration besser gelingen kann, sind die Besonderheiten unserer gesellschaftlichen Strukturen viel stärker zu vermitteln. Aus Unkenntnissen entstehen Integrationsprobleme. Ich sehe zu den Themen Gesundheit, Ernährung, Alkohol, Drogen und Sexualität großen Aufklärungsbedarf. Dazu müssen Übersetzer geschult und ausgebildet werden. Hier sehe ich große Entwicklungspotentiale in der Arbeit der Verwaltung.

Menschen aus Ländern mit leichtem Zugang zu Drogen haben nach einiger Zeit der Orientierung wieder ihre Quellen gefunden. Bei den Drogen-Treffpunkten können rasch wachsende Konsumentenzahl auch aus der Migrantenszene beobachtet werden. Die Stadt hat hier eine zentrale Aufgabe, durch Sozialarbeit Menschen Hilfen und Perspektiven zu bieten und durch Präsenz Brennpunkte zu vermeiden. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Migrantenorganisationen und Initiativen will ich hier gerne intensivieren.

über Detlev Stolzenberg

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